reif für die Insel

Wir sind mittlerweile zweieinhalb Wochen unterwegs. Inklusive Bangkok 6 Stationen, 6 verschiedene Orte, 2 Länder, gefühlt 3.000 Fotos und jede Menge Erlebnisse und Kontakte. So langsam sind die Speicher voll. Da uns das regelmäßig passiert, haben wir uns in den letzten Jahren angewöhnt, zum Abschluss des Urlaubes ein paar Tage am Wasser zu verbringen, um runter zu kommen und das Erlebte langsam zu verarbeiten. In diesem Jahr haben wir erfolgreich das Verlangen unterdrückt, zum dritten Mal in Folge nach Koh Chang zu fahren und uns stattdessen für Ko Lanta entschieden. Die Insel liegt in der Andamanensee in der Nähe von Krabi, also Südthailand. Das ist die Gegend mit den Postkartenphotos.

Bereits während unseres Aufenthaltes in Laos wird klar, dass das nicht die beste Idee war. Der Taifun, der bereits vor unserer Abreise die Philippinen und Vietnam schwer in Mitleidenschaft gezogen hat, scheint auch das komplette Klima in der Region auf links gezogen zu haben. Seit Tagen regnet es von Krabi bis runter nach Malaysia. Urlaubsbekannte aus 2023 sind seit 10 Tagen auf der Insel und reisen heute ab. Leider nur Regen. Das Paar aus unserem Nachbarbungalow das wir im Laufe des Tages kennenlernen, ist seit 3 Wochen auf der Insel, 3 Wochen Regen. Ich glaube ich hätte die Zeit genutzt, um mich kreativ und möglichst schmerzfrei umzubringen.

Jammern nützt nichts, da sämtliche Stornofristen abgelaufen sind. Das Taxi vom Flughafen zum Hotel haben wir bereits im Vorfeld gebucht und es bringt uns in knapp 2 Stunden ans Ziel. Fangen wir mal mit dem Positiven an, Das kleine Resort ist ein Traum, wir haben einen Bungalow direkt am Strand. Eigentlich ist es eine bessere Bambushütte mit komfortabler, überdachter Veranda. Hier kann man auch bei Regen draußen sitzen. Das ist super, denn es regnet in einer Tour.



Für den Rest des Tages haben wir genug zu tun, Abhängen, Fotos sortieren, Facebook-Post absetzen und Blog schreiben. Zwischendurch rüber zum Restaurant eine Kleinigkeit essen und trinken und zack, ist der Tag zu Ende.

Dienstag. Mittlerweile liegt unsere übliche Wake up time bei ca. 07:00 Uhr. Der erste Blick geht aus dem Fenster, es regnet immer noch oder schon wieder. Da nicht klar ist wie lange das hier so weiter geht – irgendwann sind alle Fotos gesichtet – habe wir für jeden Tag ein kleines Indoor Highlight geplant. Für heute Nachmittag ist es eine Massage. Wir nehmen ein Tuk Tuk, obwohl es bereits aufgehört hat zu regnen, und lassen uns zum Salon bringen. Der Laden ist laut Google der beste hier im Ort und wir haben vorab per WhatsApp einen Termin für 14:00 Uhr gebucht. Bine nimmt eine Healing Massage bei der die Schmerzzentren im Körper im Vordergrund stehen, ich eine Deep Tissue Massage gegen verspannte und verkürzte Muskulatur. Beides jeweils für 90 Minuten. Bine wird von einem Mann massiert, ich von einer Frau – zumindest auf den ersten Blick. Die Dame ist einen halben Kopf größer als ich und zeigt leicht maskuline Züge. Wir beiden sind uns sicher, dass es sich um einen Ladyboy oder Kathoey handelt. Sie/Er machte ihre Sache aber echt gut. Nach ca. 15 Minuten denke ich, einer von uns beiden wird gleich sterben. Im Hinblick auf die weitere Urlaubsgestaltung beschließe ich, dass ich derjenige bin und weine heimlich in mein Kissen. Bine hat zwischenzeitlich den Eindruck, ich sei eingeschlafen. Nach vollbrachter Tat gibt es noch einen Tee und dann ziehen wir weiter. Es hat aufgehört zu regnen und wir biegen bei nächster Gelegenheit ab, runter zum Strand. Die Wege führen üblicherweise durch die Resorts, was aber keinen hier stört. Unten am Wasser gibt es einige Bars wo ich eine Tapferkeitsmedaille in Form eines kühlen Chang Bier und Frühlingsrollen bekomme. Danach geht’s zurück ins Resort, wo wir einen unspektakulären aber netten Abend auf unserer Terrasse verbringen.

Mittwoch Der Tag beginnt mit dem üblichen Blick nach draußen. Der Himmel ist grau, aber es ist trocken! Unsere Aktivität für heute ist ein Kochkurs in einer ziemlich guten Kochschule hier in der Nähe. Abholung ist um 15:45 Uhr. Die Zeit bis dahin verbringen wir mit dem üblichen Nichtstun und einem kleinen Mittagessen.

Bei der Ankunft an der Kochschule checken die ersten Kunden bereits ein. Es sind ca. 24 Personen und ich ärgere mich ein wenig, dass ich bei der Anmeldung nicht nach der Truppenstärke gefragt habe. Das Ganze entspannt sich aber, nachdem 2 Gruppen gebildet werden, die auch räumlich ein wenig getrennt sind und jede ihren eigenen Trainer bekommt. Unsere Trainerin heißt Prim, aber ich nenne sie bereits nach 5 Minuten Miss Easy Peesy. Ich glaube sie war in Ihrem früheren Clown. Sie spricht sehr gutes und lautes Englisch und jedes Mal, wenn sie einen Trick aus dem Ärmel schüttelt ruft sie laut Eaaasyy Peeesy. Hat man sich einmal an die etwas aufgesetzte Art gewöhnt, hat das durchaus Unterhaltungswert. Die Gruppe wählt per Mehrheitsbeschluss 4 Gerichte aus einer Liste von 10, die dann gekocht werden. Mango Sticky Rice landet leider auf den hinteren Plätzen. Ansonsten läuft es so ab, dass Prim den Aufbau und die Zutaten der Gerichte erläutert und wir dann die entsprechenden Vorbereitungen für unser eigenes Gericht treffen.


Prim kocht das Gericht einmal vor, wir dürfen alle probieren und können dann für uns entscheiden, ob es uns schmeckt oder wir lieber an der ein oder Stelle nachjustieren möchten. Auch die Beilage (Hähnchen, Beef, Seafood, Tofu) kann individuell bestimmt werden. So steht jeder dann an seinem eigenen Gaskocher und brutzelt. In die Top 4 haben es geschafft: Chicken Lab, Frühlingsrollen, Stier-fried vegetable (gemischtes Gemüse mit Oystersauce) und Massamann Curry. Die ganze Kochshow dauert ca. 4 Stunden und wir nehmen reichlich Tipps mit nach Hause. Bine hat sich zudem ihr Massamann Curry einpacken lassen, da es trotz einem reduzierten Mittagessen deutlich zu viel war.







Ein ähnliches Problem hat offensichtlich auch die zweite Gruppe des Abends, denn während ich fürs Bezahlen anstehe, suchen dort 2 Portionen Mango Sticky Rice einen freundlichen Abnehmer. Ich wehre mich eine Weile, denn auch ich bin schon pappensatt. Eine nette Inderin bequatscht mich aber in einer Tour, so dass ich mich nach einer Weile breitschlagen lasse. Seeehr lecker. Zurück im Resort gibt es erst einmal einen Rum, bevor wir etwas satt und müde ins Bett fallen.

Donnerstag Der heutige Morgen ist der Wendepunkt, kein Regen, keine Wolken. Jetzt geht’s mit strammen Schritten Richtung Hauptsaison. Zeit mal ein paar Fotos vom Resort im Sonnenlicht zu schießen.
































Wir haben uns für heute einen Wagen gemietet, der um 10:00 Uhr angeliefert wird. Toyota Yaris, Ferrari-Rot mit Alufelgen, 120.000 km gelaufen, ungewaschen.








Als freundliche Leihgabe spende ich meinen Reisepass, der im Safe des Resorts verschwindet. Das ist leider gängiges Procedere in den meisten Ländern Südostasiens und gibt dem Verleiher die Gewissheit, dass er im Schadensfall seine Kohle bekommt. Umgekehrt haben sie Dich aber auch ein Stück weit in der Hand. Wer das eine will, muss das andere mögen.

Heißt also defensiv fahren und gut aufpassen. Als Unterstützung schalte ich die Sirene scharf, die auch direkt am Ortsausgang laut und deutlich anschlägt. Ein Pick-up rollt langsam aber zielstrebig rückwärts aus einer Einfahrt auf die Straße. Offensichtlich hat er die rote Knutschkugel nicht im Blick. Für den Rest des Tages verläuft aber alles problemlos.

Als erstes geht es in die nördlichste Ecke der Insel, wo die Fähren anlegen. Sala Den ist eines der Zentren auf der Insel mit einem kleinen Stadtkern und jeder Menge Restaurants und Unterkünfte entlang der Küstenlinie. Heute Mittag wirkt der Ort, der bekannt ist für sein gutes Seafood, vergleichsweise ausgestorben, aber ich denke am Abend kann es hier echt nett sein. Zuerst müssen wir uns um Bargeld kümmern. Da wir all das was wir im Resort konsumieren, auf den Bungalow schreiben lassen und bei der Abreise per Kreditkarte bezahlen, hat das Geld welches wir in Bangkok getauscht haben bis jetzt gereicht. Wir finden einen Geldwechsler, tauschen ein paar Euro die bis zum Ende der Reise reichen sollten und ziehen weiter. An der Waterfront liegen einige nette Cafés und wir wählen eines, das von 2 Künstlern betrieben wird. Im Raum der sich zum Wasser hin öffnet hängen jede Menge schräge Malereien. Der kalte Kaffee mit Milch ist super und erfreuen uns an der Aussicht auf der Terrasse.









Auf dem Weg zurück stoßen wir auf verschiedene Restaurants die Seafood im Angebot haben. Die Ecke ist etwas außerhalb des Stadtkerns und mit jedem Schritt wird es, wie häufig in Thailand, zunehmend schmuddeliger. Trotzdem haben alle Restaurants super Bewertungen. Wäre eventuell was für den Abend, aber realistisch betrachtet möchte ich im Dunkeln nicht mit dem Leihwagen durch die thailändische Gegend eiern. Früher war ich da auch anders.

Wir gehen zurück zum Auto und machen uns auf den Weg in den Süden. Weit unten – das bedeutet 12 km – liegt Old Town, das zweite größere Örtchen auf dieser Insel. Der Weg führt durch grüne Landschaft, das Wasser liegt weit hinter den Mangrovenwäldern entlang der Straße. Der Ort hat ähnlich viel Charme wie Sala Den und das gleiche touristische Angebot. 















Wir erstehen einige handverzierte Stäbchen für den täglichen Gebrauch und suchen uns anschließend ein Restaurant zum Essen. Alle Gebäude sind hier schmal und lang, das heißt man wandert durch den kompletten Laden, bis man auf der Terrasse ist und was einen dort erwartet ist vom Eingang her erst einmal nicht zu erkennen. Wir unternehmen also 3 Wanderungen, bis wir die Terrasse gefunden haben, die uns vorschwebt. Das Essen ist hervorragend, ebenso die Aussicht.



Von hier aus kann man noch etwas weiter in den Süden fahren, aber es gibt keine Straße, welche die Insel umrundet. Also geht es einige Kilometer zurück und dann quer über die Insel zur Westseite, an der unser Resort liegt. Unterwegs halten wir noch an einem großen Haushaltswarengeschäft um ein kleines Küchenutensil zu erstehen mit dem sie hier immer die schönen Zacken in das Gemüse schneiden. Haben wir gestern im Kochkurs kennengelernt.








2 Kilometer vor unserem Resort legen wir nochmal einen Stopp ein um zum Strand zu gehen. Es gibt einige Bars, aber der Strand ist eher eine Enttäuschung. Da es am Himmel dunkel aufzieht treten wir den Rückzug an, trotzdem erwischen uns am Auto die ersten Tropfen. Als wir im Wagen sitzen, öffnen sich die Schleusen und es kübelt vom Himmel, so dass das Wasser nach kurzer Zeit auf der Straße steht und man selbst bei rotierenden Scheibenwischern kaum noch was sieht. Leider muss ich, bevor wir den Wagen wieder abgeben noch etwas Sprit nachfüllen. Wir finden eine kleine Tanke am Weg, allerdings ist die Überdachung mehr Kosmetik. Ich setze den Fuß nach draußen und die Sandalette steht knietief im Wasser. Ist aber warmer Regen. Als wir unser Resort erreichen, ist der Spuk vorbei.

Morgen geht es allmählich auf die Heimreise, letzter Abend also. Direkt neben unserem Bungalow gibt es ein kleines Restaurant, welches wir immer mal passiert aber nie ausprobiert haben. Auch jetzt sind wir immer noch pappensatt, es gibt allerdings Gin Tonic für umgerechnet 2,50 EUR. Wir verbiegen uns also schön den Helm und lassen den Urlaub nochmal Revue passieren. Fazit kurze Version: Voll geil! Fazit etwas längere Version: Hätten wir heute die Möglichkeit nochmal von vorne anzufangen, würden wir es genau wieder so machen. Weitere Details können wir gerne mal in Einzelgesprächen diskutieren.








Samstagmorgen Wir haben uns für 11:00 Uhr ein Taxi bestellt, welches uns nach Krabi bringt. Von hier geht morgen der Flieger über Bangkok nach Frankfurt. Der Flug geht um 09:20 Uhr, die Fahrzeit von hier bis Krabi beträgt etwa 1 Stunde 50 Minuten, daher haben wir uns für eine Zwischenübernachtung entschieden. Unser Hotel liegt ruhig an einem kleinen Fluss, ca. 15 Minuten Fußweg bis ins Zentrum. Der Weg dorthin führt über eine Promenade am Fluss entlang bis wir zum Nachtmarkt gelangen. Eine erste Runde drehen wir direkt nach der Ankunft, weil unser Zimmer noch nicht fertig ist. Da ist hier noch nichts los, ist ja auch ein Nachtmarkt. Wir kehren daher, nachdem wir noch etwas die Stadt erkundet haben, zurück ins Hotel, machen einen kleinen Schlummi und ziehen um 18:00 Uhr nochmal los. Zwischenzeitlich hat hier jemand das Licht angeknipst und es herrscht echtes Nachtmarkt-Feeling.






















Essensstände soweit das Auge reicht und jede Menge Leute auf den Beinen. Wir genehmigen uns einen Cocktail in einer coolen Bar und genießen die Atmosphäre. Fürs Abendessen haben wir einen Tisch in einem Restaurant fußläufig vom Hotel reserviert, wo wir den Abend ausklingen lassen und kaputt ins Bett fallen.

Der Asien-Blog 2025 schließt hiermit seine Pforten. Danke an alle, die virtuell mitgereist sind, auch wenn Look & Feel nicht immer optimal waren. Für nächstes Jahr stehen einige Änderungen an und dann sollte es besser werden.











































Kommentare

  1. Hi Matthes, gefühlt war ich mal wieder live dabei, sehr schön geschrieben und gern gelesen, LG Christian

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